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Wie die Wildkaninchen leben...
 
Kaninchen sind sehr gesellige und soziale Tiere. In freier Wildbahn leben sie nie allein, sondern immer in großen Kolonien. Sie legen unterirdische Baue an und teilen den mit bis zu 50 Kaninchen. Ihr Sozialgefüge ist streng geregelt, es ist für Kaninchen sehr wichtig, wer oben und wer unten steht. Innerhalb der Kolonie gibt es kleinere soziale Gruppen, die meist aus verwandten Tieren bestehen. Meistens sind in einer solchen Gruppe die Weibchen in der Überzahl.
 
Jede Gruppe hat eine soziale Ordnung, unter den Männchen ist diese Dominanz-Hierarchie sehr streng, der Anführer ist meist der größte, älteste und schwerste Rammler (Männchen). Bei der Paarung mit Weibchen und den Fress- und Ruheplätzen hat er absoluten Vorrang und pickt sich immer das Feinste heraus. Alle männlichen Nachkommen, die dem Anführer die Rangordnung streitig machen wollen, wägen ihre Chancen auf einen erfolgreichen Kampf ab, sie bleiben entweder im Bau und unterwerfen sich der Hierarchie oder sie fordern den dominanten Rammler heraus, werden meistens dann noch bevor sie geschlechtsreif sind aus der Gruppe vertrieben und versuchen sich dann neuen Gruppen innerhalb der Kolonie anzuschliessen. Oder sie verlassen den Bau ganz und versuchen ihr Glück in einem neuen. Und sobald die Paarungszeit in dem Jahr vorbei ist, werden die jungen Männchen tedenziell in neuen Bauen auch akzeptiert. So vermeiden Kaninchen auf sehr pfiffige Art die Inzucht. Bevor die jungen Burschen ein neues Zuhause finden, verbringen sie einige Zeit an der Erdoberfläche und leben unter Büschen und Sträuchern. So etwas kann aber auch durchaus alten Tieren passieren, die ihre Autorität in der Gruppe verloren haben und von einem jungen, stärkeren Rammler vertrieben wurden.
 
Auch bei den Weibchen gibt es eine Rangordnung. Oft gibt es auch hier eine dominante Häsin, aber die Hierarchie ist nicht so streng wie bei den Männchen. Ihr Verhältnis zueinander ist entspannter und freundschlaftlicher, weil sie meist miteinander verwandt sind. Nur in der Fortpflanzungszeit kann sich das schlagartig ändern, dann können die Häsinnen aufeinmal sehr aggressiv zu denselben Weibchen werden, mit denen sie noch kurz vorher lieb gekuschelt haben.
 
Während sich die Männchen zur Paarungszeit um die Weibchen kloppen müssen, stehen den kleinen Damen genügend männliche Kandidaten zu Verfügung, deswegen sind die meisten Weibchen während der Fortpflanzungszeit trächtig. Den Häsinnen ist es dann wichtig, einen trockenen und sicheren Bereich zu finden, wo sie ihr Nest bauen können. Da die Nistplätze oft nicht ausreichend vorhanden sind, kommt es dann zwischen den Weibchen häufig zu heftigen Kämpfen, die sogar tödlich enden können.
 
Kaninchen graben für ihr Leben gern. Dies geschieht jedoch nicht nur zum Zeitvertreib, sondern dient in der Natur dem Bau eines Heimes. Ihre Baue bestehen aus einem komplexen Netzwerk an Tunneln und Höhlen. Ein Kaninchenbau kann ein Gebiet von bis zu 100 qm umfassen und hat meist viele verschiedene Ein- und Ausgänge, um so dem Feind zu entkommen. Die normalen Eingänge sind Röhren, die sanft abfallen und meist mit einem Erdhaufen neben dem Eingang gekennzeichnet sind. Die "Hintertüren" sind meist unter Büschen versteckt und fallen fast senkrecht zur Eroberfläche ab, so kann sich das Kaninchen im Notfall einfach ins Loch plumpsen lassen, während sein Feind dumm aus der Wäsche guckt. Zudem sind die Tunnel ziemlich eng (nur ca 15 cm Durchmesser) und gewunden, um eindringenden Feinden wie kleinen Hunden oder Wieseln das Leben zu erschweren. Überholen können sich die Kaninchen in ihren Tunneln nur an speziellen Ausbuchtungen, wo sich der Gang auf ca 40 cm verbreitert. Die Tunnel haben viele Ausgänge, damit die Flucht immer möglich ist, es gibt aber auch Sackgassen in Form von "Wohnzimmern". Dies sind Räume am Ende eines Tunnels, in denen die Kaninchen zusammen liegen, sich ausruhen, pflegen und sich ihrer Verdauung annehmen. Einige dieser Kessel dienen den trächtigen Weibchen auch als Kinderstube, hier werden unter Exklusivrecht die Jungen der dominanten Häsinnen aufgezogen. Die rangniedrigeren Häsinnen bauen ihre Nester oft ausserhalb des Hauptbaus. Sie sind kaum 2 Meter lang und nur ca. 15 cm unter der Erde. Sie haben zudem keinen Hinterausgang, vielleicht um dafür zu sorgen, dass die Babys in den Tunneln nicht verloren gehen.
 
Das Territorium der Kaninchen liegt um den Bau herum und bietet ihnen Schutz und Sicherheit. Es wird deutlich mit erhöhten Kothaufen und Urin markiert und gegen Eindringlinge verteidigt. Je nachdem, wieviele Kaninchen einen Bau bewohnen, können diese Kloplätze eine erhebliche Größe annehmen. Die Grösse des Territoriums hängt hauptsächlich von der verfügbaren Nahrungsmenge ab. Wenn also genug Futter in der Nähe des Baus vorhanden ist, ist das Revier kleiner, denn die Tiere müssen sich nicht so weit auf Futtersuche begeben.
 
Kaninchen sind dämmerungsaktive Tiere und verlassen den Bau meist nur vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang, um auf Futtersuche zu gehen und ihr Revier zu markieren. Sie behalten immer einen möglichen Zufluchtsort im Blick, um bei Gefahr schnell flüchten zu können. Deswegen bleiben sie auch meist in der Nähe ihres Baues.


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Aktualisiert : 17.11.2010