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Das Verdauungssystem des Kaninchens


1 : Mundhöhle
2 : Speiseröhre
3 : Magen
4 : Dünndarm
5 : Dickdarm
6 : Blinddarm
7 : Mastdarm

Quelle : "Kaninchenkrankheiten" von Winkelmann & Lammers

Die Abläufe im Verdauungsystem des Kaninchens sollte jeder Kaninchen-Halter kennen, denn sie sind sehr ausschlaggebend für das Gesamtwohlbefinden bzw. oft verwantwortlich für Krankheiten oder Unwohlsein, denn der Magen-Darm-Trakt ist das für Störungen anfälligste Organsystem beim Kaninchen. Doch durch einige Kenntnisse bei den Verdauungvorgängen lassen sich zudem im Vorfeld Fehler bei der Fütterung oder der Häufigkeit und Regelmässigkeit der Fütterung vermeiden. Wer das Kaninchen verstehen will, kommt am komplexen Verdauungsystem nicht vorbei.
Kaninchen haben einen nur sehr schwach bemuskelten Magen und Darm. Die Nahrung wird also nicht durch eine Darmperistaltik weitergeleitet, sondern wird nur durch erneut aufgenommene Nahrung weitertransportiert. Man spricht deswegen auch von einem "Stopfmagen". Es muss "oben immer etwas nachgeschoben werden muss, damit unten was rauskommt". Der Magen ist also immer gefüllt! Kaninchen dürfen nie einen nüchternen Magen haben, es ist lebenswichtig für sie, immer zu fressen, denn sobald das Verdauungssystem zum Erliegen kommt, kann es schnell zu lebensgefährlichen Verdauungsstörungen kommen.


Zähne
Die Schneidezähne sitzen vorne, im Oberkiefer sind auf jeder Seite zwei, im Unterkiefer jeweils einer. Nach hinten hin folgt ein zahnloser Kieferteil und danch kommen die vorderen und hinteren Backenzähne, die über eine breite Kaufläche verfügen. Sie sind wurzellos und wachsen täglich ca. 0,3-0,4 mm (ca. 1 cm im Monat) nach! Deswegen ist für die Gesunderhaltung des Gebisses eine regelmässige Inanspruchnahme und Abnutzung der Nage- und Backenzähne durch geeignetes Knabbermaterial wie Heu, Äste und Hölzer unbedingt erforderlich.


Der komplette Verdauungsablauf von der Aufnahme bis zum Ausscheiden
In der Mundhöhle beginnt die Verdauung, wo die aufgenommene Nahrung zuerst mit den Schneidezähnen zerkleinert und dann mit den Backenzähnen fein zermahlen wird. Der mit Speichel durchtränkte Nahrungsbrei gelangt nun über die Speiseröhre in den Magen. Dieser ist ständig mit Futterbrei gefüllt, um die Verdauungsabläufe in Gang zu halten. Im Vergleich zu anderen Pflanzenfressern ist der Magen mit 35% der Gesamtkapazität der Verdauungsorgane verhältnismässig gross. Dies deutet auf die Fähigkeit hin, Nahrung mit geringem Nährstoffanteil dadurch auszugleichen, dass grössere Futtermengen aufgenommen werden können.
 
Durch regelmässige Futteraufnahme, die aus bis zu 80 kleineren Mahlzeiten am Tag bestehen kann, wird die Nahrung aus dem wenig bemuskelten Magen in den Dünndarm weitertransportiert. Kaninchen sollten deswegen immer die Möglichkeit haben, Futter aufzunehmen, da der Weitertransport der Nahrung nur durch erneute Futteraufnahme und Nachschub möglich ist! Der Magen allein ist zu schwach bemuskelt, um die Nahrung weiterzutransportieren. Die schwache Magen-Muskulatur ist auch der Grund, warum Kaninchen nicht erbrechen können. In den drei Abschnitten des Dünndarms (Zwölffingerdarm, Leerdarm und Hüftdarm) finden dann die hauptsächlichen Verdauungsvorgänge statt. Die Nahrung wird in Eiweisse, Fette und Kohlenhydrate zerlegt, die nun vom Körper aufgenommen werden.
 
Die noch unverdauten Futterbestandteile wandern weiter in den relativ großen Dickdarm. Im Dickdarm, der aus den Abschnitten Blinddarm, Grimmdarm und Mastdarm besteht, werden mit Hilfe von Bakterien schwerverdauliche Pflanzenreste (Zellulose) verdaut. Der Blinddarm spielt hierbei eine wichtige Rolle bei der Verwertung und Versorgung mit Vitamin B. Er ist wie eine Spirale aufgedreht und ist mit 40-45% der Kapazität der Verdauungsorgane ca 5 mal grösser als der Magen. Bei dieser Hauptfermentation der Nährstoffe entsteht der vitaminreiche Bliddarmkot (von Schleim überzogene, trauben- bis wurstartige, glänzende Gebilde), der einen ganz charakteristischen Geruch hat und von den Kaninchen direkt vom After aufgenommen und unzerkaut abgeschluckt wird. Das Fressen des Bliddarmkots ist für Kaninchen lebenswichtig und darf dem Tier auf keinen Fall untersagt werden! Diese Besonderheit der optimalen und effizienten Futterverwertung und zusätzlichen Vitamin-B-Versorgung bei Kaninchen wird auch Caecotrophie (Koprophagie) genannt.
 
Kaninchen haben als Pflanzenfresser einen im Verhältnis zu ihrer Körpergrösse sehr langen Verdauungskanal. Die Gesamtlänge des Magen-Darm-Traktes entspricht der 10-fachen Körperlänge des Tieres, also ca. 4 bis 6,5 m.



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Aktualisiert : 17.11.2010