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Grundbedürfnisse, die nicht missachtet werden dürfen
 
Bei kaum einem anderen Haustier werden die Grundbedürfnisse so sehr missachtet wie beim Kaninchen. Das grösste Problem stellt hier die weit verbreitete leidvolle Einzelhaltung in zu engen Käfigen dar. Um diesem Missstand entgegenzuwirken, sollte jeder liebevolle und verantwortungsbewusste Tierhalter bemüht sein, seinem Tier ein artgerechtes Leben zu bieten und dafür alles ihm Mögliche in die Tat umzusetzen. Die hier aufgezählten Punkte zeigen Grundbedürfnisse der Kaninchen, die in jedem Fall beachtet werden müssen, um ein arttypisches Leben ermöglichen zu können. Denn bitte denken Sie daran: Ihre Haustiere sind auf Ihr Wohlwollen angewiesen, sie können ihre Bedürfnisse nicht artikulieren. Es liegt ganz allein in Ihren Händen, diesen feinsinnigen Lebewesen ein gutes oder ein schlechtes Leben zu schenken. Gehen Sie bitte sorgsam mit dieser Verantwortung um.
 

Im Überblick
Sozialkontakt mit Artgenossen   Nie Einzelhaltung!
Bewegung   Grosser Lebensraum
Nagen   Natürliche Nagematerialien
Graben   Naturboden
Sich verstecken   Hütte und Unterstände
Überblick   Erhöhte Ebenen
Abwechslung   Veränderungen im Gehege
Ruhepausen   Rücksichtnahme

Quelle: Ruth Morgenegg's Artgerechte Haltung - ein Grundrecht auch für (Zwerg)Kaninchen


Sozialkontakt mit Artgenossen
Kaninchen sind sehr gesellige Tiere. In freier Wildbahn leben sie nie allein, sondern immer in grossen Kolonien und strengen sozialen Gefügen (siehe auch Leben der Wildtiere). Sie leben in festen Partnerschaften, gehen gemeinsam auf Futtersuche und geben sich in der Gruppe Sicherheit. Ihr Sozialverhalten ist sehr intensiv und ausgeprägt, sie putzen sich gegenseitig, kuscheln und spielen. Der Anteil des Sozialverhaltens am Gesamtverhalten beträgt bis zu 50% der gesamten Tagesaktivität.Diese natürliche Tatsache allein zeigt, dass Kaninchen freiwillig nie alleine leben würden und immer mindestens einen Artgenossen brauchen!
 
Dabei kann kein Mensch und kein artfremdes Tier einem Kaninchen den Partner ersetzen. Der Mensch wird immer nur ein mangelhafter Ersatz für das bleiben, was er dem Kaninchen vorenthält. Viele Menschen wollen nicht wahrhaben, dass ihr Kaninchen in Einzelhaltung leidet, aber so viel Zeit man sich für sein Tier auch nimmt, man wird sein Bedürfnis nach Gesellschaft nie stillen können, denn Mensch und Kaninchen sprechen einfach nicht die selbe Sprache!
 
Auch ein Meerschweichen, das irrtümlicherweise und aus Bequemlichkeit zur Vermeidung ungewollter Vermehrung oftmals dem Kaninchen als Partnertier beigestellt wird, spricht eine andere Sprache, es hat ganz andere Ausdrucksmöglichkeiten und Verhaltensmuster, die das Kaninchen nicht versteht.
 
Da Kaninchen sehr anpassungsfähige Tiere sind, wird ein friedliches und scheinbar harmonisches Zusammenleben sicher oberflächlich gesehen oft möglich sein, dies ist aber kein Indikator dafür, dass das Tier glücklich ist, denn der lebensnotwendige soziale Austausch findet nicht statt! Nur der Sozialkontakt mit Artgenossen gibt dem Tier das, was es für eine gesunde Entwicklung und für sein Wohlbefinden dringend braucht.
 
Schauen Sie sich dazu bitte auch das Video "Mäxchen - niemand möchte alleine sein" an.

Bewegung
Kaninchen sehr sind bewegungsfreudig und brauchen deswegen viel Platz! In einem zu kleinen Käfig verkümmert ihre Muskulatur, deswegen muss jedem Tierhalter bewusst sein, dass ausreichend Platz eines der wichtigsten Kriterien ist, um ein Kaninchen artgerecht zu halten, alles andere ist Tierquälerei und strikt abzulehnen. Die Käfige, die in Tierhandlungen angeboten werden, sind zu klein und überhaupt nicht geeignet für diese bewegungsfreudigen Tiere, die Platz benötigen, um Haken schlagen und mit Luftsprüngen ihre Lebensfreude zum Ausdruck bringen zu können.
 
Die Tatsache, dass Kaninchen viel Platz brauchen, lässt sich schon an ihrem Körperbau erahnen: sie haben sehr kräftige Hinterläufe, die Sprungkraft und ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Bewegung signalisieren, um ausgeglichen und gesund zu bleiben. Sonst hätte die Natur sie kaum mit diesen kraftvollen Hinterextremitäten ausgestattet. Die Haltung in einem Käfig unterbindet es jedem Tier, diesem lebenswichtigen Bedürfnis nachgehen zu können und ist somit nicht artgerecht. Vergleichbar damit würde sicher auch kein Mensch sein Leben in einem badezimmergrossen Raum verbringen wollen - Tiere haben da die selben Bedürfnisse wie wir!
 
Kaninchen sollten idealerweise in einem großen Außengehege mit viel Platz-, Versteck-, und Buddelmöglichkeiten gehalten werden. Wer nicht über einen Garten mit solchen Möglichkeiten verfügt, kann seinen Kaninchen aber auch mit einigen Bemühungen einen Lebensraum schaffen, in dem es seinen Bedürfnissen nachgehen kann. Neben großen Innengehegen, in denen die Tiere aber trotzdem begrenzten Platz haben, kann über eine Freilaufhaltung in der gesamten Wohnung nachgedacht werden. Hierfür müssen aber einige wichtige Dinge im Vorfeld beachtet werden! Alternativ kann ein Zimmer zum Kaninchenzimmer umgebaut werden, in dem die Tiere dann frei leben. Mehr zu dem Thema Freilaufhaltung in der Wohnung, und was hierfür bedacht werden muss, erfahren Sie hier.
 
Zusammenfassend gilt folgender Richtwert für Kaninchen, die im Käfigen oder Gehegen leben: ein kleineres Kaninchen benötigt eine Grundfläche von mindestens 2 qm, ein grösseres mindestens 3 qm. Mehr ist natürlich immer besser.

Nagen
Obwohl Kaninchen keine Nagetiere sind, ist ihr Nagetrieb aber genau so stark ausgeprägt wie bei einem Nager. Dieses Verhalten ist angeboren und ausserordentlich wichtig, um die Zähne, die ein Leben lang bei Kaninchen nachwachsen, regelmässig abzunutzen! Jeder Tierhalter sollte sich regelmässig darum bemühen, seinen Langohren Knabbermaterial zur Verfügung zu stellen. Geeignet sind frische Hölzer, Äste (sehr beliebt ist Apfelbaum) und Rinden- oder Wurzelstücke. Jedoch sind nicht alle Baumarten und Hölzer geeignet, einige sogar giftig. Eine Liste mit Knabbermaterialien aus der Natur, die bedenkenlos verfüttert werden können, finden Sie hier.
 
Für gartenlose Grossstadtbewohner zwar ein nicht so einfaches Unterfangen - immerhin hat nicht jeder seinen eigenen Apfelbaum vor der Tür - aber dennoch möglich: Sie können sich z.B. einen kleinen Apfelbaum auf dem Balkon halten oder auch Bekannte / Verwandte, die einen Garten haben, bitten, beim nächsten Apfelbaum-Stutzen an Sie zu denken und Ihnen ein paar Äste z.B. per Post zuzuschicken.
 
Wer all diese Möglichkeiten nicht ausschöpfen kann, der kann frische Äste jetzt auch im Internet bestellen, der Onlineshop derkleintierladen.de bietet z.B. frische Apfelbaumäste für 79 Cent an!
 
Nicht für Kaninchen geeignet ist trotz der weitläufigen Meinung trockenes Brot! Brot macht nur dick und kann Schimmelsporen enthalten, die eine gesundheitliche Gefährdung für Kaninchen darstellen!
 
Kaninchen, die kein Nagematerial haben, bekommen schnell massive gesundheitliche Probleme, die bis zum Tod führen können. Wenn die Zähne nicht mehr abgenutzt werden, wachsen sie aus dem Maul heraus und bereiten massive Probleme bei der Futteraufnahme, was auch dazu führen kann, dass ein Kaninchen gar nicht mehr selbstständig fressen kann. Um so einen Teufelkreis im Vorhinein zu verhindern, hilft nur die regelmässige Gabe von Nagematerialien!

Graben
Die Lust am Graben ist den Kaninchen einfach in die Wiege gelegt worden, auch unsere domestizierten Kaninchen haben nachwievor dieses Bedürfnis und müssen es auch ausleben können. Es ist kein blosser Zeitvertreib, sondern etwas Lebensnotwendiges. In Freiheit lebende Kaninchen buddeln sich lange und komplexe Tunnelsysteme, in denen sie leben und Schutz vor Feinden und Witterung finden. Die Weibchen bringen dort in besonderen Nistplätzen ihre Jungen zur Welt und ziehen sie auf. Vor allem die Weibchen sind grosse Buddelmeisterinnen!
 
Dieser natürliche Instinkt, Tunnel zu graben und zu buddeln, ist völlig normal und auch für domestizierte Tiere eine wichtige Beschäftigung, die auch in der Wohnungshaltung unbedingt ermöglicht werden sollte, auch wenn die Haustiere das Graben gar nicht mehr nötig haben und es dem Menschen vielleicht sinnlos vorkommt. Dieses natürliche Verhalten bleibt dem Kaninchen auch unter künstlichen Haltungsbedingungen erhalten. Was es da rund um Buddelkiste & co. für Möglichkeiten und Ideen gibt, können Sie hier nachlesen.

Sich verstecken
Das Bedürfnis nach Schutz und sich verstecken zu können ist eine natürliche Eigenschaft, die uns wieder einmal die Wildform nahebringt und auch aufzeigt, dass Gänge und Höhlen für das Schutzbedürfnis eines Kaninchens instinktiv sehr wichtig sind, egal ob es in der Natur lebt oder als Heimertier gehalten wird. In der freien Natur nutzen Kaninchen ihren Bau, um sich vor Feinden zu schützen - oft nur durch eine schnelle Flucht ins nächste Loch können sie sich retten. Dabei haben die Tunnel immer mehrere Ausgänge, um sicherzustellen, dass eine Flucht auch noch dann möglich ist, wenn der Feind in die Tunnelsysteme eingedrungen ist.
 
Das Bedürfnis nach einem Unterschlupf ist also ein tief verankertes Bedürfnis dieser Höhlenbewohner. Daher sollte einem Kaninchen immer ein passender Unterschlupf zur Verfügung stehen, den es nutzen kann, wenn es sich erschrikt, Angst hat oder Schutz sucht. Ein Leben auf "offener Wildbahn" ohne jegliche Möglichkeit, sich in einem Häuschen oder Stall verkriechen zu können, ist für Kaninchen ein enormer Stress. Sie sind und bleiben immer Fluchttiere, die solche Unterschlüpfe im Leben brauchen. Oftmals zeigen auch unsere Hauskaninchen diese Eigenschaft, in dem sie beim Hoppeln durch die Wohnung stets nur an den Seiten eines Raumes entlanglaufen, selten mitten im Raum auf freier Fläche, da diese natürlich instinktiv ein günstiger Ort ist, um vom Feind aufgespürt zu werden.
 
Geben Sie ihren Kaninchen dieses wichtige Gefühl der Sicherheit, indem Sie für jedes Tier mindestens eine Hütte oder etwas Vergleichbares zum Verkriechen aufstellen. Und obwohl Kaninchen sehr wetterfest sind, ist es enorm wichtig, dass sie bei Außenhaltung auch einen trockenen Ort haben, an dem sie sich z.B. bei Regen oder im Winter aufhalten können, wenn ihnen danach ist. Wichtig zu beachten ist hier, dass wirklich jedes Tier einen eigenen Unterschlupf benötigt, der auch z.B. bei Streitigkeiten oder Kämpfereien untereinander als verlässlicher Schutz dient. Optimal ist es, gleich mehrere Versteckmöglichkeiten unterschiedlichster Art anzubieten, da dies auch für Beschäftigung sorgt das Interesse der Tiere immer wieder aufs Neue geweckt werden kann, indem einige "Einrichtungsgegenstände" ab und zu an neuen Plätzen aufgestellt werden.

überblick
Kaninchen sind vielseitige Tiere, sie ziehen sich nicht nur gerne in Unterschlüpfe zurück, sie geniessen es auch sehr, sich auf erhöhten Ebenen einen überblick zu verschaffen. Dies kann schon z.B. das Dach des Häuschens, ein Baumstrunk oder eine seitlich aufgestellt Kiste sein. Wenn Kaninchen sich sicher fühlen, dann sind solche erhöhten Aussichtspunkte ein sehr beliebter Ort, an dem sie dann auch gerne mal für den doppelten Effekt Männchen machen, um noch mehr erspähen zu können. Die Ausgucke sollten nicht zu hoch über dem Boden sein, dann werden sie auch schnell zum Ort des Vertrauens und ein begehrtes Plätzchen, um die ständige Neugier zu befriedigen ;-)

Abwechslung
Da für unsere Hauskaninchen der tägliche Kampf um's überleben wegfällt, kann das Leben auch schnell mal langweilig werden. Wenn nun die Futtersuche flachfällt und auch schon jede Wecke des Reviers vertraut riecht, muss der Halter mit etwas Phantasie und Geschick für Abwechlung sorgen. Da sich die lieben Stupsnasen doch schnell "austricksen" lassen, sind hier auch die einfachsten Mittel sehr effektiv: Stellen Sie regelmässig das "Mobiliar" Ihrer Langohren um, an neuen Plätzen positioniert erwecken sie gleich wieder neues Interesse und werden ausgiebig beschnuppert, markiert und erkundet. Wie Sie ein interessantes und abwechlungsreiches Reich für Ihre Langohren schaffen können und welches Interieur ganz oben auf der Wunschliste steht, erfahren Sie hier.
 
Auch Kaninchen haben einen 24 Stunden-Tag und müssen ihn irgendwie füllen. Sie sind auch die vielen Stunden da, in denen wir uns nicht um sie kümmern können, deswegen ist regelmässige Abwechslung und Anregung sehr wichtig! Da unsere Hauskaninchen nicht eigenständig ihren Tagesablauf gestalten können, ist der Halter dafür verantwortlich, dass das Leben nicht zu eintönig und langweilig wird. Denn zu viel Langeweile macht krank, die Tiere entwickeln Verhaltensstörungen und es entstehen schwere Folgeprobleme. Mit etwas Phantasie kann man diese schon von Natur aus sehr neugierigen Tierchen aber immer wieder auf's Neue anregen!

Ruhepausen
Kaninchen haben wahrlich das "savoir vivre" in sich: nachdem sie neugierig ihre Welt erkundet, an Heuhälmchen geknabbert und sich gegenseitig abgeschlabbert haben, können sich so richtig entspannt lang machen und ihr Leben geniessen. Und das tun sie auch gerne mit ausgiebigen Ruhepausen. Dafür sieht man sie auch oft wie ein Wollknäuel zusammengekauert in einer Ecke dösend, die Äuglein fast ganz verschlossen - aber trotzdem immer auf der Hut und bei jedem unerwarteten Geräusch sofort wieder hellwach. Sehr beliebt sind auch die Ruheplätze, die Schutz und übersicht in Einem bieten, da ist der Andrang manchmal gross und im Notfall liegen die Kleinen dann eben halb aufeinander, hauptsache jeder bekommt was von diesem Plätzchen des Begehrens ab ;-)
 
Gerne strecken die Lütten auch alle Viere von sich und liegen ganz genüsslich auf der Seite oder auf dem Bauch und lassen es sich so gut gehen. In dieser Zeit muss das Bedürfnis nach Ruhe unbedingt respektiert werden, es sollte nie nach Kommando des Menschen gespielt und entertaint werden. Wenn das Kaninchen sich ausruhen möchte, sollte man es so lange in Ruhe lassen, bis es von aich aus wieder aufsteht und Ihnen mit einem sanften Stupser signalisiert, dass es wieder "unter den Lebenden" ist. Vermeiden Sie während der Ruhephasen plötzlich einsetzende Geräusche wie z.B. laute Musik oder hektisches Verhalten in Nähe Ihrer Kaninchen. Dies erschrickt die Tiere dann ganz besonders und trägt nur dazu bei, dass sie keine richtige Ruhe finden und kein Vertrauen zu ihrem Umfeld aufbauen können. Respektieren Sie bitte auch beim Tier das Bedürfnis nach Erholung, so wie auch Sie es sich wünschen, in Ihren Ruhephasen respektiert zu werden.



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Aktualisiert : 17.11.2010